Foto: Reben im Herbst; so prachtvoll zeigt sich selten ein Weinberg in einer Stadt!

Was im Mittelalter gang und gäbe war, betreiben Hobbywinzer in immer mehr deutschen Städten: Weinbau. Im ausgehenden Mittelalter betrug die Rebfläche in Deutschland ca. 300.000 Hektar und damit das Dreifache der derzeitigen Anbaufläche. Oft waren die Weinberge innerhalb der Stadtmauern angesiedelt, das ist auf alten Zeichnungen zu erkennen.

Heute sind es in Köln und Nürnberg einzelne Hobbywinzer, die Rebstöcke pflanzen und gedeihen lassen, in Berlin ist es ein Verein: Weingarten in Berlin. Die 35 Mitgliedern kümmern sich um 650 Rieslingstöcke sowie 200 Reben anderer Sorten. In Hamburg findet sich schon lange ein Weinberg am Stintfang unterhalb der Jugendherberge – man sieht die zerzausten Reben vom Hafen aus.

Die bearbeiteten Flächen sind alle sehr klein und können sicherlich keinen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung leisten. Der Weinbau  in der Stadt scheint vielmehr die Sehnsucht nach handfesten, nicht entfremdeten Tätigkeiten in unserer spezialisierten und digitalisierten Welt zu befriedigen. (Hartmut Hillebrand)
(siehe auch: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17.06.2018, S. 18)

  Rebe in einem Weinberg: alt, knorrig, mit Moos ummantelt